Predigt zu Neugründung des Dekanatsbezirks Bayreuth-Bad Berneck

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu Apostelgeschichte 2, 42-47 am 12.2.2017 in Neudrossenfeld

 

Liebe Gemeinde, 
Unser Bibelwort steht in Apostelgeschichte Kapitel 2, 42-47. In der Lutherbibel ist dieser Abschnitt überschrieben mit „Die erste Gemeinde“.
Über diese erste Gemeinde heißt es:

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beiein
ander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Liebe Gottesdienstgemeinde aus mindestens 40 Gemeinden!
Seit diesem Monat besteht der neue Dekanatsbezirk Bayreuth-Bad Berneck. Die neue Struktur ist sinnvoll, weil sie dem zu kleinen und dem zu großen Dekanatsbezirk zum Ausgleich hilft durch die Bildung von zwei Regionen mittlerer Größe; und weil nun im Miteinander zweier Dekane die vorhandenen Aufgabe angemessener verteilt werden können.
Der Name unseres neuen Dekanatsbezirks ist ziemlich lang: Bayreuth-Bad Berneck. Wie werden Sie ihn abkürzen, wenn Sie ihn in ihren Terminkalender hineinschreiben? BT geht nicht mehr, BB auch nicht. 
Ich bin inzwischen bei drei B gelandet.
Bewegt, begabt, bereit, so ist unser Gottesdienst überschrieben und so lässt sich auch die gegenwärtige Situation umschreiben. 
Bewegt: Wenn zwei Dekanatsbezirke vereinigt werden – und das binnen gut vier Monaten, dann ist viel in Bewegung. Und in den kommenden Monaten muss nun noch beschlossen werden, wie nach der Kirchenvorstandswahl der neue Dekanatsausschuss und die neue Dekanatssynode zusammengesetzt sein sollen, ob die Regionen so - wie von den beiden Dekanen und mir gedacht und vom Landeskirchenrat befürwortet - bleiben sollen oder doch im Zuschnitt etwas anders werden. Die Kirchenmusik wird sich neu sortieren und die Jugend hat längst angefangen zu kooperieren. Die Jungen sind wieder mal am beweglichsten.
Begabt: Exemplarisch haben die 7 Gemeinden (Streitau, Warmensteinach, Goldkronach, BT-Friedenskirche, Haag, Mengersdorf und Neudrossenfeld) gezeigt, welche Gaben sie einbringen werden in das Miteinander. 
Alle Ihre Gemeinden haben besondere Prägungen. Alle 40 Gemeinden sind beschenkt mit vielen begabten Menschen, die sich einsetzen. Durch sie entstehen auch teilweise besondere Profile. Sie wahrzunehmen bereichert auch die anderen Gemeinden. 
Bereit: Voraussetzung für diese wechselseitige Bereicherung, ist die Bereitschaft sich einzubringen ins große Ganze. Ich bin überaus dankbar, Ihnen und unserem Gott, wie groß Ihre Bereitschaft ist. 
Der Konsens im Prozess war erstaunlich. Der Dekanatsauschuss Bayreuth hat ´einstimmig bei einer Enthaltung` und der Dekanatsausschuss Bad Berneck ´einstimmig` der Neugliederung zuge-stimmt. Landeskirchenrat und Landessynodalaus-schuss votierten je zwei Mal einstimmig positiv. 
Das ist solch eine gute Grundlage für den weiteren Prozess. Es ist eine große Bereitschaft da, das Miteinander im neuen Dekanatsbezirk anzunehmen. 
Bewegt, begabt, bereit, so sind wir hier zusammen.

Im Nachdenken über die drei B im Terminkalender für Bayreuth-Bad Berneck  und über diesen Prozess kam mir unwillkürlich das Bibelwort in den Sinn, das ich gerade vorgetragen habe. Es ist ja auch vom Buchstaben B dominiert.
Ich zitiere in Auszügen: Sie blieben beständig in der Apostel Lehre und im Brotbrechen. Sie waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel.
Bibelwissenschaftler sagen meist, das sei ein idealisiertes Bild der ersten Gemeinde. Doch selbst wenn, dann ist es ja gut zu wissen, was als Ideal galt und gilt. Zudem wird wohl doch viel vom Ideal realisiert worden sein. Sonst wäre nicht so viel Kraft von dieser allerersten Gemeinde ausgegangen. Unsere 40 Gemeinden sind die Ableger. Wir wurzeln in jener Bewegung damals.

Damals war noch viel mehr Bewegung im Spiel als bei uns in unserer kleinen Strukturveränderung. Unser Predigtwort ist so etwas wie ein offenbares Geheimrezept für gesegnete Prozesse. Immerhin breitete sich die damalige Gemeinde aus. Sie war attraktiv; viele ließen sich taufen:
Die Zutaten des Geheimrezeptes sind: 
Erstens: Bleiben in der Lehre der Apostel, 
zweitens: Beieinandersein im Tempel und im Brotbrechen und 
drittens: Beieinandersein im Anteilgeben an vorhandenen Gütern.
Fangen wir bei drittens an: Beieinandersein im Anteilgeben an vorhandenen Gütern? Sagen wir nicht vorschnell, dass wir so kommunitär nicht mehr leben unseren Gemeinden. Denn jeder von uns zahlt Kirchensteuer oder zumindest Kirchgeld und gibt so etwas hinein ins Ganze, damit gemeinsame Aufgaben erfüllt werden können. Die Spendenbereitschaft ist oft groß auch für unsere Diakonie oder Brot für die Welt und spontan, wenn wir Not sehen.
Aus zwei Dekanatshaushalten ist ein gemeinsamer geworden. Der Glaube an Christus fördert eine Haltung in uns, die fragt: Was braucht die andere Gemeinde, damit sie gedeiht. Wenn alle nur auf das Ihre schauen, haben alle verloren. Wenn alle auf das schauen, was die andere Gemeinde braucht, haben alle gewonnen. Ein Ideal. Es wird real durch Gottes Geist.
Zweitens: Sie waren täglich beieinander im Tempel und im Brotbrechen. Täglich! Lasst uns wenigstens sonntäglich beieinander sein und auch das Brotbrechen häufiger praktizieren. 
Die wichtigste Präsenz des Kirchenvorstehers ist nicht die Kirchenvorstandssitzung, sondern der sonntägliche Gottesdienst. Das Beieinander sein um Wort und Sakrament, das baut Gemeinde. Seid da, geht auf Menschen zu; pflegt Gemeinschaft. Das baut Gemeinde, sodass sie wächst.
Und nun spreche ich nicht nur die Kirchenvorsteher an, sondern alle. Die Erfahrung zeigt: Je öfter wir zum Gottesdienst gehen, desto lieber wird er uns.

Und schließlich: Sie blieben beständig in der Apostel Lehre. Das ist sogar das erste benannte Charakteristikum der ersten christlichen Gemeinde.
Es ist ein großer Schatz, dass wir die Lehre der Apostel sogar in gedruckter Form haben in unserer Bibel. Die Bibel zu lieben, zu lesen mit ihr zu leben, das ist typisch evangelisch. 
Am Reformationsfest 2016 feierte Papst Franziskus in der lutherischen Kirche zu Lund zusammen mit den Leitenden des Lutherischen Weltbundes Gottesdienst. In der Predigt äußerte er seine Dankbarkeit, dass die Reformation auch in der katholischen Kirche geholfen habe, der Heiligen Schrift wieder eine Zentralstellung geben.
Luther war nicht nur verliebt in seine Käthe, sondern wohl noch mehr in seine Bibel. In nur elf Wochen übersetzte er das Neue Testament aus dem griechischen Urtext ins Deutsche. Keine Frage, er hat auch nachts von ihr geträumt und er hat von ihr geschwärmt. Drei Liebeserklärungen von tausend möglichen:
„Wo das Wort ist, dort ist das Paradies und alles.“
„Siehe nur, dass du auf Gottes Wort Acht hast und darinnen bleibest, wie ein Kind in der Wiege. Lässt du das einen Augenblick fahren, so bist du daraus gefallen.“
„So müssen wir nun gewiss sein, dass die Seele alle Dinge entbehren kann, nur das Wort Gottes nicht, und ohne das Wort Gottes ist ihr mit keinem Ding geholfen. Wenn sie aber das Wort hat, dann bedarf sie auch keines anderes Dinges mehr, sondern sie hat in dem Wort Gottes Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Kunst, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gut überschwenglich.“
In diesem Wort bleiben, das ist für Herzenschristen weniger Pflicht, als Sehnsucht und Genuss.
„Siehe nur, dass du auf Gottes Wort Acht hast und darinnen bleibest“, diesem Aufruf Luthers zu folgen, ist heute viel einfacher. Viele von Ihnen haben ein Handy mit Internetverbindung. Es ist ganz einfach, eine App herunter zu laden mit der neuen Revision der Lutherbibel. Man gebe nur ein: Lutherbibel 2017 App und schon wird man zum kostenlosen Download geleitet. Dann hat man sie dabei. Ich genieße das sehr. 
Doch die Bibel in Buchform zu lesen ist keineswegs out. In welcher Form auch immer: Ich erlebe das Lesen in Gottes Wort als tiefe Erholung für meine Seele.

Pünktlich zum Reformationsjubiläum ist die neue Revision der Lutherbibel erschienen. Unsere Landeskirche schenkt jeder Kirchengemeinde eine Altarbibel mit neuem Revisionstext. Die ersten Bibeln, die ich überreichen darf, bekommen Sie. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, dass die Bibeln schon zur Dekanatsgründung da sind.
Denn es ist in meinen Augen solch ein gutes Symbol, dass jede Gemeinde von diesem Gründungsgottesdienst das mitnimmt, um was es wirklich geht. 
Wir bilden keine neuen Strukturen um der Struktur willen. Sondern wir tun das, damit wir bestmögliche Rahmenbedingungen haben, um die biblische Botschaft, die Lehre der Apostel weiterzutragen. Lehrt alle Völker wurde den Jüngern aufgetragen. Die biblische Botschaft lesen und lehren ist unser aller Gabe und Aufgabe. Diese Welt braucht die Geschichten vom Barmherzigen Samariter und vom Verlorenen Sohn, die Geschichten von Krippe, Kreuz und leerem Grab, den Psalm 23 und die 10 Gebote. Es gibt keine bessere Botschaft als die, die uns anvertraut ist. 

Möge die Dekanatsgründung einen Beitrag leisten, dass die Kirche Jesu Christi gedeiht und lebt, in der wir beständig beieinander sind im Gottesdienst und Brotbrechen, im Teilen unserer Gaben und im Genießen der biblischen Botschaft. 
In Vergewisserung dessen, was wirklich wichtig ist, gehen wir in die Zukunft – bewegt, begabt, bereit im Vertrauen auf Gottes Beistand. 
Amen.